Beim Ausmisten landet Schmuck schnell in der Kategorie „wertlos“: verknotete Ketten, einzelne Ohrstecker, Ringe, die seit Jahren niemand mehr trägt. Doch zwischen billigem Modeschmuck verstecken sich mitunter Stücke aus echtem Gold oder Silber, die schlicht unscheinbar aussehen. Fünf Hinweise helfen, vor dem Entsorgen eine erste Einschätzung zu treffen, auch wenn keiner davon allein eine sichere Antwort liefert.
1. Der Stempel: kleine Zahlen mit großer Aussagekraft
Der wichtigste Hinweis ist eine eingeprägte Zahl, meist auf der Innenseite von Ringen, am Verschluss von Ketten oder an der Öse von Anhängern. 333, 585 und 750 stehen für Gold mit 33,3, 58,5 und 75 Prozent Feingoldanteil, 800, 835 und 925 für Silber. Karatangaben wie 8K, 14K oder 18K entsprechen 333, 585 und 750; vor allem auf Stücken aus dem Ausland ist diese Schreibweise verbreitet. Eine Lupe mit zehnfacher Vergrößerung macht auch abgenutzte Stempel lesbar. Vorsicht ist bei Zusätzen geboten: GP steht für eine galvanische Vergoldung, GF und RGP für Doublé, also eine Goldschicht auf unedlem Kern. Ein „18K GP“ bedeutet deshalb nicht 18-karätiges Gold, sondern eine hauchdünne Auflage. Und ein goldfarbenes Stück mit dem Stempel 925 ist in aller Regel vergoldetes Silber, dessen Wert sich nach dem Silber richtet. Fehlt jeder Stempel, ist das noch kein Beweis für Modeschmuck, denn ältere oder handgefertigte Stücke wurden nicht immer gestempelt.
2. Das Gewicht in der Hand
Edelmetalle sind schwer. Reines Gold ist mit rund 19,3 Gramm pro Kubikzentimeter mehr als doppelt so dicht wie Messing, aus dem viel Modeschmuck besteht. Auch legiertes Gold wirkt in der Hand meist schwerer, als die Größe eines Stücks vermuten lässt, und Silber ist spürbar schwerer als Aluminium oder Zinklegierungen. Der Test hat allerdings Grenzen: Hohl gearbeitete Goldketten und filigrane Ohrringe sind sehr leicht, während massiver Modeschmuck aus Messing durchaus Gewicht hat. Hilfreich ist der direkte Vergleich mit einem Stück, dessen Echtheit feststeht, etwa einem gestempelten Ehering ähnlicher Größe. Eine digitale Küchenwaage mit Grammanzeige macht solche Vergleiche greifbarer, ersetzt aber keine Prüfung.
3. Der Magnettest und seine Grenzen
Ein kräftiger Magnet, etwa aus dem Werkzeugkasten, liefert einen schnellen Ausschlusstest. Gold, Silber und Platin werden von einem Magneten nicht angezogen. Haftet ein Ring deutlich am Magneten, besteht er also zumindest im Kern aus Eisen, Stahl oder Nickel und ist kein massiver Edelmetallschmuck. Umgekehrt beweist ein fehlender Effekt wenig, denn auch Messing, Kupfer und viele andere unedle Metalle sind nicht magnetisch. Zudem enthalten echte Goldketten in ihren Verschlüssen oft kleine Stahlfedern, die leicht reagieren können. Weil Haushaltstests so wenig Gewissheit bringen, lohnt sich ein kurzer Blick vom Fachmann, bevor etwas im Müll landet. Ein Ankaufsgeschäft in der Charlottenburger Wielandstraße etwa bewertet Schmuck kostenlos und unverbindlich und misst den Edelmetallgehalt mit einem Röntgenfluoreszenz-Analysegerät, das die Zusammensetzung bestimmt, ohne das Stück zu beschädigen.
4. Verfärbungen und Abrieb
Ein Blick auf stark beanspruchte Stellen verrät viel, bei Ringen vor allem die Innenseite und die Unterseite der Schiene, die beim Tragen am meisten Reibung abbekommen. Bei vergoldetem Schmuck schimmert dort, wo die Auflage abgerieben ist, etwa an Kanten, Ösen oder Kettengliedern, ein anderes Metall durch: rötliches Kupfer, gelbliches Messing oder ein graues Grundmetall. Grünliche Spuren auf der Haut entstehen meist durch Kupfer in unedlen Legierungen. Massives Gold ist dagegen durch und durch gleichfarbig, auch wenn niedrig legiertes Gold wie 333 mit den Jahren etwas nachdunkeln kann. Silber läuft dunkel an, was unschön aussieht, für sich genommen aber kein Warnsignal ist. Rost oder abblätternde Farbschichten sind dagegen ein klares Zeichen für Modeschmuck, ebenso eine Oberfläche, die an einer Stelle golden und an der nächsten silbrig grau wirkt.
5. Verschluss und Verarbeitung
Hochwertiger Schmuck verrät sich oft an Details. Echte Goldketten haben meist einen Federring- oder Karabinerverschluss aus demselben Material, häufig mit eigenem Stempel. Steine sind bei Echtschmuck in der Regel gefasst und nicht eingeklebt, Lötstellen sind sauber verarbeitet. Modeschmuck erkennt man dagegen oft an geklebten Steinen, gestanzten Gliedern mit scharfen Kanten oder Verschlüssen, deren Beschichtung abplatzt. Doch auch hier gilt: Ein Verschluss kann ausgetauscht worden sein, und ein gestempelter Karabiner macht aus einer Messingkette noch keine Goldkette.
Sortieren statt wegwerfen
Keiner dieser Hinweise ersetzt eine Messung, zusammen ergeben sie aber eine brauchbare Vorauswahl. Sinnvoll ist es, die Schatulle in drei Gruppen zu teilen: gestempelte Edelmetallstücke, eindeutiger Modeschmuck und alles, was unklar bleibt. Gerade die dritte Gruppe gehört nicht in den Müll, sondern zu einer fachkundigen Prüfung, die vielerorts nichts kostet. Bis dahin sollten die unklaren Stücke weder gereinigt noch angefeilt oder mit Säure getestet werden, denn solche Haushaltsproben können Oberflächen und Stempel dauerhaft beschädigen. Eine moderne Messung dauert nur wenige Minuten und hinterlässt keine Spuren am Schmuck.
Silber verdient dabei ebenso Beachtung wie Gold: Dicke Silberketten, alte Armreifen oder schwere Ringe mit dem Stempel 925 bringen pro Gramm zwar deutlich weniger als Gold, summieren sich aber bei größeren Mengen. Auch ein einzelner Ohrring oder ein gerissenes Kettchen hat pro Gramm denselben Materialwert wie ein intaktes Schmuckstück, denn beim Materialwert zählt nur das Metall, nicht der Zustand.
Wer so vorgeht, trennt sich am Ende nur von dem, was wirklich keinen Materialwert hat, und behält die Entscheidung über alles andere in der eigenen Hand. Manchmal entpuppt sich dabei ausgerechnet der unscheinbare Ring aus der hintersten Ecke der Schatulle als das wertvollste Stück, und manchmal bestätigt die Prüfung, dass der glänzendste Anhänger nur vergoldet war. Beides ist besser zu wissen, bevor der Beutel in der Tonne landet.
